Galerie der Miniaturkunstwerke -Notgeld aus Kahla

Ausstellung anlässlich der 1150-Jahrfeier der Stadt Kahla von April bis Oktober 2026 im Foyer des Rathauses der Stadt Kahla
Das Notgeldwesen der frühen 1920er Jahre entstand in einer Zeit tiefgreifender wirtschaftlicher Instabilität. Nach dem Ersten Weltkrieg litt das Deutsche Reich unter Inflation, Rohstoffknappheit und einem dramatischen Mangel an Umlaufmünzen. Metall wurde für Rüstungszwecke benötigt, Münzen verschwanden aus dem Verkehr oder wurden gehortet. Die Reichsbank konnte den Bargeldbedarf nicht mehr decken, der Zahlungsverkehr geriet ins Stocken.
In dieser Situation begannen Städte, Gemeinden, Unternehmen und sogar Vereine, eigenes Notgeld auszugeben. Was als pragmatische Übergangslösung gedacht war, entwickelte sich rasch zu einem reichsweiten Phänomen. Zwischen 1917 und 1923 entstanden eine Vielzahl an Serien, die nicht nur wirtschaftliche Not linderten, sondern zunehmend auch künstlerische und politische Botschaften transportierten. Viele Scheine spiegeln die Stimmung ihrer Zeit und wurden bald zu begehrten Sammelobjekten.
Vor diesem Hintergrund nimmt das Kahlaer Notgeld eine besondere Stellung ein. Vor allem im Jahr 1921 entwickelte sich die Stadt zu einem der produktivsten Herausgeber von Serienscheinen. Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig und kunstvoll diese kleinen Papierstücke gestaltet wurden. Viele der ausgestellten Scheine greifen lokale Motive auf, wie Stadtansichten und historische Gebäude, Landschaften der Saaleregion, humorvolle Szenen und symbolische Darstellungen politischer Umbrüche. Ein Höhepunkt ist die berühmte Silvesterserie von 1921, entworfen vom renommierten Künstler Olaf Gulbransson. Seine Arbeiten verbinden feinsinnigen Humor mit präziser grafischer Gestaltung und zeigen, welchen Stellenwert ästhetische Qualität im Kahlaer Notgeld hatte. Die Serie gilt heute als eines der herausragenden Beispiele für die Verbindung von lokaler Identität und künstlerischem Anspruch.
Die Ausstellung macht deutlich, dass Notgeld weit mehr war als ein Ersatz für fehlende Münzen. Es ist ein Spiegel seiner Zeit – politisch, wirtschaftlich und kulturell. Die „Galerie der Miniaturkunstwerke“ zeigt, wie viel Geschichte in einem Stück Papier stecken kann. Wer sich für regionale Historie, Grafikdesign oder die Kultur der 1920er Jahre interessiert, findet hier eine Ausstellung, die Wissen, Ästhetik und lokale Verbundenheit auf besondere Weise verbindet.
Nicht alle Zeitgenossen wussten die rege Notgeldtätigkeit der Stadt Kahla zu schätzen. Zeitungsstimmen, etwa in der Jenaer Jugend – Mittwochsbeilage des „Jenaer Volksblattes“, kritisierten bereits früh, dass Kahla das Notgeld zunehmend als Einnahmequelle und nicht mehr als notwendiges Ersatzgeld nutze. Besonders deutlich wurde dies in einem Beitrag von Stammler vom 22. Februar 1922, der Kahla – damals zum Herzogtum Sachsen‑Altenburg gehörend – vorwarf, mit immer neuen Serien das Notgeldwesen zu überdehnen und den eigentlichen Zweck zu verwässern.
Diese Kritik zeigt, dass die kreative Vielfalt der Kahlaer Scheine zwar Bewunderung hervorrief, zugleich aber auch Befürchtungen nährte, das Phänomen könne ins Beliebige oder Übertriebene abgleiten. Das Kahlaer Notgeld war somit Teil einer lebhaften Debatte über Sinn, Zweck und Grenzen der Notgeldausgaben war. Den Artikel finden Sie hier.
Vom 3. bis 11. September 1921 wurde Kahla zum Schauplatz einer außergewöhnlichen Präsentation des deutschen Notgeldwesens. Auf der „herrlich gelegenen, altehrwürdigen Leuchtenburg“ richtete das Verkehrs-Amt Kahla eine Notgeldausstellung aus, die erstmals den Anspruch erhob, einen umfassenden Überblick über das ganze Gebiet des Notgeldwesens zu vermitteln und damit in ihrer Bedeutung und Ausgestaltung einzigartig blieb. Das Stadt‑Verkehrs‑Amt gab eigens ein Sammelalbum zur Ausstellung heraus – ein deutliches Zeichen dafür, wie offensiv Kahla damals seine außergewöhnlich umfangreiche Notgeldproduktion präsentierte. Zum Sammelalbum kommen Sie hier.
Die Ausstellung kann zu den Öffnungszeiten der Stadtverwaltung Kahla bis Oktober 2026 im Foyer des Rathauses oder nach Terminvereinbarung angesehen werden. Der Eintritt in frei.
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